Mai 2024. Irgendwo zwischen Mainz und dem Bodensee.

Meine Freundin und ich sitzen auf dem Sattel. Die Beine schwer. Der Hunger groß. Hinter mir hängt treu und prall unsere Arschraketen – ja, das ist wirklich der offizielle Begriff in der Radler-Szene für diese Satteltasche.

Unser Räder. Zusammen locker 5.000 Euro. Die willste gerne im Blick haben.

Die Pension der Wahl für heute Nacht hat freundlich, aber klar gesagt: Räder kommen nicht rein.

Also suchen wir weiter. Lange. Wir scrollen durch Booking.com, durch Airbnb, durch irgendwelche Pensionswebsites, die aussehen wie 2009.

Einen Campingplatz haben wir dabei nicht einmal gegoogelt.

Warum nicht?

Weil wir einfach nicht daran gedacht haben.

Die Zielgruppe, die gerade an deinem Platz vorbeifährt

Radreisende sind keine Nische. Sie sind ein Markt.

Laut ADFC-Radreiseanalyse 2025 gibt es in Deutschland 39,3 Millionen Radfahrende – und der Tourismus rund ums Rad setzt jährlich 40 Milliarden Euro um. Allein 361 Millionen Tagesausflüge werden pro Jahr auf dem Sattel gemacht.

Und jetzt der Teil, der für dich als Betreiber einer kleinen Mietunterkunft wirklich interessant wird:

Wer 1 bis 2 Nächte radreist, gibt im Schnitt 144 Euro pro Tag aus. Wer länger unterwegs ist, immer noch 133 Euro täglich. Das sind keine Sparfüchse. Das sind Menschen, die für ein gutes Erlebnis zahlen.

Und die hungrig ankommen.

Sehr hungrig. Wer 60 bis 70 Kilometer am Tag tritt, denkt nicht an Diät.

Was Radreisende wirklich suchen  und selten finden

Es ist nicht der Luxus. Es ist nicht der Pool.

Es ist ein sicherer Platz für ihr Rad. Neben sich. Über Nacht.

Ein teures Rad lässt man nicht einfach irgendwo stehen. Wer mit Carbon-Rahmen und Klickpedalen unterwegs ist, will das gute Stück im Blick haben oder zumindest hinter einer abschließbaren Tür wissen. In vielen Hotels und Pensionen ist genau das verboten. Die Räder bleiben draußen. Der Radler schläft schlecht.

Deine Schäferhütte hat eine eigene Tür. Dein Schlaffass steht auf der Wiese. Dein Tiny House hat Platz davor.

Das ist genau das, was diese Gäste suchen und nie auf einem Campingplatz erwarten, weil sie dort nie gesucht haben.

Das lässt sich ändern.

Die beliebtesten Radwege Deutschlands – liegt dein Platz in der Nähe?

Schau kurz auf die Karte. Dann schau auf diese Liste:

🥇 Elberadweg – Nord/Osten

🥈 Weser-Radweg – Nordwesten

🥉Ostseeküstenradweg – Norden

4️⃣ Rheinradweg – Westen

5️⃣ Bodensee-Königssee-Radweg – Süden

6️⃣ MainRadweg – Mitte

7️⃣ Donauradweg – Südosten

8️⃣ Mosel-Radweg – Westen

9️⃣ EmsRadweg – Nordwesten

🔟 Fünf-Flüsse-Radweg – Süden

Wenn dein Campingplatz innerhalb von 5 bis 10 Kilometern einer dieser Routen liegt, bist du längst Teil der Infrastruktur dieser Strecke.

Du weißt es nur noch nicht.

Und deine potenziellen Gäste auch nicht.

Was du konkret tun kannst – ohne großen Aufwand

Sag es klar auf deiner Website. Nicht „Naturidylle für Erholungssuchende“. Sondern: Radreisende willkommen. Räder kommen rein. Warme Küche bis 21 Uhr. Dieser eine Satz entscheidet, ob jemand bucht oder weiterschaut.

Häng ein Schild an den Weg. Wirklich. Ein simples Holzschild mit Pfeil, Entfernung und Hinweis auf warmes Essen. Radfahrende entscheiden spontan. Sie sehen ein Schild. Sie biegen ab.

Geh auf die Plattformen, die sie nutzen. Booking.com und Airbnb kennen sie. Aber Radreisende sind auch auf Komoot, Outdooractive und Bett+Bike – dem Zertifizierungsprogramm des ADFC für fahrradfreundliche Unterkünfte. Ein Eintrag dort ist deine Visitenkarte für diese Zielgruppe.

Denk an E-Bike-Ladestrom. Jeder zweite Radreisende fährt inzwischen ein E-Bike. Eine Steckdose mit Schloss, geschützt vom Regen – mehr braucht es nicht. Das ist 2025 kein Extra. Das ist Mindestausstattung.

Mach das Essen zum Argument. Ich meine das ernst. Ein Topf Gulasch, eine Portion Nudeln, ein belegtes Brot – für jemanden, der seit dem Frühstück 70 Kilometer getreten hat, ist das kein Snack. Das ist der Grund, warum er morgen eine Rezension schreibt.

Zurück auf den Sattel

Wir haben damals eine Unterkunft gefunden. Irgendwie.

Aber den Campingplatz, der vielleicht drei Kilometer weiter an der Route lag, haben wir nie gesehen. Nicht weil wir ihn nicht wollten. Sondern weil er uns nicht gefunden hat.

39 Millionen Radfahrende in Deutschland. 40 Milliarden Euro Umsatz in dieser Branche. Und irgendwo an einem Flussweg hängt noch kein Schild von dir.

Das ist keine Kritik. Das ist eine Einladung.

Liegt dein Campingplatz an einer der großen Radrouten?

Schreib es mir in die Kommentare – ich bin gespannt, wo ihr seid. 🚲